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FOLKER magazine

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critic about new solo album CODEX  in FOLKER  magazine

MOHAMMAD REZA MORTAZAVI 
Codex

(Flowfish Records FF 0046/Broken Silence, go! www.moremo.de )
5 Tracks, 45:17

Sich auf ein Percussioninstrument und einen einzigen Takt zu reduzieren, und dabei die Türen eines musikalischen Universums weit zu öffnen – das ist die große Kunst des Mohammad Reza Mortazavi. Mehr denn je konzentriert sich der Iraner auf das Ausloten der klanglichen Möglichkeiten der Bechertrommel Tombak, des einzigen Instruments auf diesem live eingespielten Album. Mit Dynamik und winzigen Pausen bearbeitet der Ausnahmemusiker den 6/8-Takt, ein zentrales Element der persischen Musik. Er imitiert Echoeffekte und nutzt die Tonskala des Fells für das melodische Spiel. Kreisende Klänge werden vielfach variiert, ohne sich selbst zu zitieren. Mortazavi reibt, schlägt, kratzt und streichelt sein Instrument. Codex klingt wie ein musikalischer Vollzug des Sufismus: Das Große im Kleinen, in der Reduktion das Universum zu reflektieren – dieser Sufi-Gedanke wird hier in ein modernes Musikkonzept gefasst. Der spirituelle Charakter erklärt sich selbst und lenkt nicht von der musikalischen Brillanz ab. Das Album klingt nicht nur hervorragend, es ist auch noch tanzbar, schließlich kreisen nicht nur Mortazavis Finger auf der Tombak, sondern auch die drehenden Derwische des Sufi-Ordens …

Birger Gesthuisen